Überblick

Hersteller: Recel (Spanien)
Modell: Lady Luck
Baujahr: Anfang der 1970er Jahre
Typ: Elektromechanischer Flipper
Der Recel Lady Luck ist ein klassischer elektromechanischer Flipper.
Er steht exemplarisch für eine Zeit, in der Spielabläufe vollständig durch Relais,
Schalter und Mechanik realisiert wurden.
Der Fokus liegt auf einem klaren Spielprinzip und direktem Spielgefühl.
Design und Kopfteil
Der Schriftzug im Glas ist typisch für Flipper dieser Epoche. Gestaltung, Typografie und Farbgebung sind bewusst plakativ gehalten und tragen wesentlich zum nostalgischen Charakter des Geräts bei.

Im Kopfteil befinden sich die mechanischen Zählwerke und Anzeigen, die den aktuellen Spielstand sowie Freispiele anzeigen. Zusätzlich wird hier dargestellt, welcher Spieler (Player 1 bis 4) gerade an der Reihe ist sowie der Status „Ball in Play“, also welcher Ball gerade gespielt wird.
Jede erzielte Punktzahl wird nicht nur sichtbar, sondern auch deutlich hörbar über die mechanischen Zählwerke registriert – ein charakteristisches Merkmal elektromechanischer Flipper und ein wesentlicher Teil ihrer Faszination.
Die grafische Gestaltung des Glases greift thematisch ein Spielcasino-Motiv auf. Karten, Symbole und Schriftzüge sind im typischen Stil der 1960er und 1970er Jahre ausgeführt und verbinden Spielthema und Technik zu einer stimmigen Einheit. Die Illustration dient dabei nicht nur der Dekoration, sondern unterstützt die Orientierung im Spiel, indem Spielstand, Spielerwechsel und Ballstatus klar ablesbar dargestellt werden.
Das Zusammenspiel aus Grafik, mechanischer Anzeige und akustischem Feedback verleiht dem Kopfteil eine besondere Präsenz und macht den Spielverlauf jederzeit nachvollziehbar – vollständig ohne elektronische Hilfsmittel.
Technischer Aufbau

Das Spielfeld ist klassisch aufgebaut und klar strukturiert. Targets, Bumper und Kugelführungen sind so angeordnet, dass der Spielablauf jederzeit gut nachvollziehbar bleibt und der Spieler die Auswirkungen seiner Aktionen unmittelbar erkennen kann.
Bereits nach einigen Spielen erkennt man intuitiv, welche Targets getroffen werden müssen, um Bonuspunkte zu sammeln oder Freispiele zu gewinnen.
Auf der rechten Seite wird die Kugel über den Plunger auf das Spielfeld geschossen. Durch die Auszugslänge des Plungers lässt sich die Abschussenergie gezielt beeinflussen. Mit etwas Übung und Gefühl kann so bestimmt werden, welche Bahn die Kugel einschlägt und welche Spielelemente oder Aktionen ausgelöst werden.
Während des Spiels müssen definierte Targets getroffen werden, um Punkte zu sammeln oder Freispiele zu erzielen. Der Spielverlauf ist dabei bewusst übersichtlich gehalten und belohnt präzises Timing und kontrollierten Einsatz der Flipperhebel.
Eine besondere konstruktive Lösung befindet sich auf der linken Seite des Spielfelds: Dort liegt eine Kugel hinter einer Barriere. Trifft die aktive Spielkugel diese Barriere, wird der Impuls auf die ruhende Kugel übertragen, die daraufhin gegen eine Glocke geschleudert wird. Dieses rein mechanische Prinzip sorgt für eine akustische Rückmeldung und ist ein typisches Beispiel für die kreative Mechanik elektromechanischer Flipper.
Elektromechanisches Schaltwerk
Unterhalb des Spielfelds befindet sich ein umfangreiches, auf den ersten Blick schwer durchschaubares elektromechanisches Schaltwerk. Es bildet das eigentliche „Gehirn“ des Flippers.
Über rotierende Nocken, Rastmechanismen und Relais werden verschiedene Spielzustände rein mechanisch gespeichert. Abhängig davon werden Punktzählung, Spielerwechsel, Freispiele, Lampen und Glocken angesteuert. Die Abläufe sind vollständig deterministisch und lassen sich durch Beobachtung der Mechanik direkt nachvollziehen.
Elektronik ist nicht vorhanden – sämtliche Funktionen werden ausschließlich über mechanische und elektromechanische Baugruppen realisiert. Spulen, Schalter und Rückholfedern arbeiten unmittelbar zusammen und machen jede Spielaktion technisch sichtbar und hörbar.
Zustand und Wiederinbetriebnahme
Der Recel Lady Luck wurde um das Jahr 2000 erworben. Er stand zuvor in einem Headshop bei Ludwigsburg. Der Besitzer brauchte mehr Platz für seine Ware. Zu diesem Zeitpunkt war das Gerät nur eingeschräkt spielbereit und wies typische altersbedingte Mängel auf. Darunter defekte Lampen, verschlissene Gummiteile, oxidierte Kontakte und teilweise schwergängige Mechanik.
Der eigentliche Spieltisch war in einem recht guten Zustand. Vermutlich wurde der Flipper nicht oder nur kurz gewerblich eingesetzt. Dafür hatte das Gehäuse außen einige Fehlstellen und Kratzer. Ansonsten waren aber alle Teile vollständig vorhanden.
Im Zuge der Wiederinbetriebnahme wurden:
- alle relevanten Baugruppen gereinigt
- Kontakte geprüft und nachjustiert
- Verschleißteile wie Gummis und Lampen ersetzt
- die Mechanik sorgfältig eingestellt
Ziel war es, den Flipper technisch zuverlässig zu machen, ohne seinen originalen Charakter zu verändern. Der heutige Zustand entspricht weitgehend dem ursprünglichen Auslieferungszustand, äußerliche Mängel bleiben als „Patina“ erhalten.

Spielcharakter
Der Recel Lady Luck bietet ein bewusst ruhigeres, klassisches Spiel:
- klarer, vorhersehbarer Balllauf
- hoher Einfluss von Geschicklichkeit und Timing
- keine elektronischen Effekte oder Ablenkungen
Gerade diese Reduktion macht den Reiz aus. Der Spieler konzentriert sich vollständig auf Kugelkontrolle, Flippertechnik und Spielstrategie. Dadurch eignet sich der Flipper gleichermaßen für Einsteiger, Kinder und erfahrene Spieler, die das ursprüngliche Flipperprinzip schätzen.
Wenn man berücksichtigt, mit welch aus heutiger Sicht einfachen technischen Mitteln dieses Gerät realisiert ist, überrascht es umso mehr, welchen Spielspaß und welche spielerische Tiefe dieser alte Flipper bietet.
Gesamtansicht

In der Gesamtansicht zeigt sich der Recel Lady Luck als typischer Vertreter europäischer Flippertechnik seiner Zeit. Das Zusammenspiel aus Gehäuse, Spielfeld, Kopfteilgrafik und der vollständig elektromechanischen Technik ergibt ein stimmiges Gesamtbild, das sowohl den technischen Anspruch als auch den Spielspaß klar vermittelt.
Korpus und Kopfteil sind thematisch auf das Spielcasino-Motiv abgestimmt:
Ein heller, überwiegend weißer Hintergrund wird von Spielkarten, klassischen Casino-Symbolen sowie roten und schwarzen Akzenten geprägt. Die klare Farbgestaltung hebt das Gerät deutlich von vielen US-Modellen ab, die oft bunter und effektreicher gestaltet sind. Dadurch wirkt der Lady Luck trotz seines Alters zeitlos elegant.
Fazit
Der Recel Lady Luck ist ein authentischer elektromechanischer Flipper, der eindrucksvoll zeigt, wie komplexe Spielabläufe allein mit Mechanik und Relais realisiert wurden. Er verbindet technische Eleganz mit zeitlosem Spielspaß und ist sowohl als Spielgerät als auch als technisches Zeitdokument faszinierend.
Der Flipper ist vergleichsweise selten anzutreffen; der spanische Hersteller Recel gehört heute eher zu den unbekannten Namen der Flippergeschichte. Anders als die bekannteren amerikanischen Modelle besticht der Lady Luck durch ein eigenständiges, kompaktes Design, das auf europäische Kneipen und Spielhallen zugeschnitten war. Gerade diese Kombination aus seltener Herkunft, eigenständiger Technik und charakteristischem Design macht das Gerät für Sammler besonders interessant.
