Tagung der Kurzwellenamateure 1947

Amateurfunk in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 lag der Amateurfunk in Deutschland zunächst vollständig brach. Funkanlagen waren beschlagnahmt oder zerstört, und der Betrieb von Sendern war unter der Kontrolle der alliierten Besatzungsmächte grundsätzlich verboten.

Trotz dieser schwierigen Situation blieb der Kontakt zwischen ehemaligen Kurzwellenamateuren bestehen. Viele tauschten sich über Briefe, persönliche Treffen oder über die wenigen noch erlaubten technischen Aktivitäten aus. Der sogenannte Ham-Spirit, also die internationale Gemeinschaft und Begeisterung für Funktechnik, war auch in dieser Zeit spürbar.

Ein wichtiges Zeichen des Neubeginns war die erste Tagung der deutschen Kurzwellenamateure nach dem Krieg, die am 7. und 8. Juni 1947 in Stuttgart stattfand. Funkbetrieb war zu diesem Zeitpunkt zwar noch nicht offiziell erlaubt, doch das Treffen zeigte deutlich, dass die Amateurfunkgemeinschaft wieder aktiv werden wollte.

Historische Dokumente aus dieser Zeit sind selten. Besonders interessant sind daher die Postkarten mit Ersttags-Stempel von der Tagung. Sie konnten von den Teilnehmern als Erinnerungsstücke gekauft werden und geben einen direkten Einblick in die Stimmung unter den Funkamateuren jener Jahre.

Postkarte Stuttgart 1947 Vorderseite Postkarte Stuttgart 1947 Rückseite

Das Bild zeigt eine historische Postkarte. Der Text ist hauptsächlich in deutscher Sprache:
Erste Tagung der Deutschen Kurzwellenamateure nach dem Kriege in Stuttgat – 7. – 8. Juni 1947.
„Hams always come back – Der alte Ham-Spirit lebt noch!“
„RX: QRV“, der Sender ist noch hinter einem verschlossenen Gitter: „Wer hat den Schlüssel?“

Kurze Timeline: Amateurfunk in Deutschland 1945–1950

1945
Mit dem Ende des Krieges ist der gesamte Funkbetrieb in Deutschland zunächst untersagt.
Amateurfunkstationen dürfen bei Strafe nicht betrieben werden.

1946–1947
Ehemalige Funkamateure beginnen sich wieder zu organisieren, erste Treffen und technische Diskussionen finden statt.
Der Sendebetrieb ist weiterhin nicht freigegeben.
Teils mit Fantasierufzeichen sind trotz widriger Umstände einige Stationen hauptsächlich auf dem 80 m Band aktiv.
In der amerikanischen Zone wurde der Württembergisch-Badische-Radio-Club (WBRC) gegründet.

7.–8. Juni 1947
Erste Tagung der deutschen Kurzwellenamateure nach dem Krieg in Stuttgart.
Die Veranstaltung wurde unter anderem vom WBRC organisiert und hatte über 500 Teilnehmer aus ganz Deutschland.
Sie gilt als eines der frühen Zeichen für den Wiederaufbau der Amateurfunkgemeinschaft in Deutschland.

1948
Auf internationaler Ebene werden Landekenner neu festgelegt. Statt bisher D gilt für Deutschland nun DA-DR.
Schon bald waren etwa 400 Stationen mit DA Rufzeichen. Rufzeichenvergabe und QSL_Vermittlung organisierten die Amateure selbst.

1949
Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland entstehen neue rechtliche Rahmenbedingungen für den Funkdienst.
Kernpunkt ist das Amateurfunkgesetz, welches die Grundlage zur Vergabe von offiziellen Sendelizenzen ist.

1950
Der Amateurfunk wird wieder offiziell zugelassen.
Kurz darauf entsteht der DARC (Deutscher-Amateur-Radio-Club) als bundesweite Organisation der Funkamateure.

Einen sehr informativen Bericht findet man beim Förderverein Technikforum Backnang e.V.

HAM-FEST Stuttgart 1947 Vorderseite HAM-FEST Stuttgart 1947 Rückseite

Das Bild zeigt eine historische Postkarte. Der Text ist etwas unbeholfen in englischer Sprache.
OM’s – PSE DON’T FORGET THE GERMAN HAMS!“
Greetings from the first German postwar HAM-FEST in Stuttgart – June 7. – 8. 1947.
„OM – we want to go back in the air foor meeting again – working for international understanding“
„They always come back..!“

Besatzungszonen

Die Regelungen und die Freigaben des Sendebetriebs unterschieden sich dabei stark zwischen den einzelnen Besatzungszonen:

  • Amerikanische Zone: Die Wiederaufnahme des Funkbetriebs erfolgte hier am schnellsten. Bereits 1946 konnten lokale Funkamateure unter Auflagen wieder experimentell senden. Stuttgart profitierte davon besonders, da hier viele erfahrene Funkamateure ansässig waren.
  • Britische Zone: Auch in der britischen Zone wurden ab 1946 erste Freigaben erteilt, meist für technische Experimente und Clubstationen. Funkclubs organisierten erste Treffen, und der Aufbau offizieller Rufzeichen begann langsam.
  • Französische Zone: Die Freigaben erfolgten etwas verzögert. Amateurfunk blieb stark eingeschränkt, Aktivitäten konzentrierten sich auf kleinere Gruppen und private Experimente.
  • Sowjetische Zone (später DDR): Der Funkbetrieb war hier besonders restriktiv gehandhabt. Viele Funkamateure mussten als „Schwarzfunker“ agieren und selbst vergebene Rufzeichen verwenden. Offizielle Lizenzen wurden erst ab 1952 vergeben, und der Amateurfunk wurde in der DDR stark reglementiert.

Stuttgart als Zentrum des frühen Nachkriegs-Amateurfunks

Nach 1945 spielte Stuttgart eine wichtige Rolle beim Wiederaufbau des Amateurfunks in Deutschland. Die Stadt war technisch gut aufgestellt, viele ehemalige Funkamateure lebten hier und es existierten bereits vor dem Krieg aktive Funkclubs.

Der Württembergisch-Badische-Radio-Club (WBRC) nutzte diese Infrastruktur, um die erste Tagung der Kurzwellenamateure am 7.–8. Juni 1947 zu organisieren. Sie fand in der Schlachthof-Gaststätte in Stuttgart statt, dauerte zwei Tage und hatte etwa 500 Teilnehmer. Die Veranstaltung wurde ein zentraler Treffpunkt für Funkamateure aus ganz Deutschland und markierte den Beginn einer neuen Ära des Amateurfunks in Deutschland.

Improvisierte Rufzeichen der Nachkriegszeit

Da offizielle Amateurfunklizenzen 1947 noch nicht vergeben wurden, mussten Funkamateure kreativ werden. Viele betrieben den Funkverkehr illegal oder „schwarz“ und vergaben eigene provisorische Rufzeichen. In der Regel wurde auch nicht der richtige Name verwendet, sondern Abwandlungen davon, oder frei erfundene Namen.

Beispiele aus dieser Zeit:

  • DP- oder D2– Präfixe, die auf Besatzungszonen oder einzelne Gruppen hinwiesen
  • D3 und D4 Rufzeichen, die von Radioclubs wie dem WBRC informell zugeteilt wurden

Diese improvisierten Rufzeichen waren zwar offiziell nicht anerkannt, dienten aber der Organisation des Funkbetriebs und halfen, Kontakte zwischen Funkamateuren herzustellen. Sie zeigen, wie stark der Ham-Spirit bereits kurz nach dem Krieg lebendig war.

Zusammenfassung

Die erste Tagung der deutschen Kurzwellenamateure 1947 in Stuttgart war ein wichtiger Meilenstein für den Wiederaufbau des Amateurfunks nach dem Krieg.

Besonders wertvoll für mich sind die beiden originalen Postkarten, die ich von einem inzwischen verstorbenen Funkamateur erhalten habe. Sie hängen heute in meinem Shack und erinnern daran, dass der Ham-Spirit auch in schwierigen Zeiten lebendig blieb.

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