Einleitung
Satellitenfunk muss weder teuer noch komplex sein. Mit einem Handfunkgerät und einer leichten Dualband-Yagi lassen sich LEO-Amateurfunksatelliten zuverlässig arbeiten – ganz ohne Rotor, Mast oder aufwendige Mechanik.
Als Antenne verwende ich meine kompakte Dualband-Yagi für 2 m / 70 cm. Details zur Konstruktion und Dimensionierung stehen im separaten Beitrag zur Dualband-Antenne 2 m / 70 cm.
Zu den grundlegenden Einstellungen und der Bedienung gibt der Beitrag „Satellitenbetrieb mit Baofeng DM-1701 und OpenGD77“ nützliche Hinweise.
In Kombination mit einem Handfunkgerät wie dem Baofeng DM-1701 und der alternativen Firmware OpenGD77 im Satellitenmodus entsteht eine erstaunlich leistungsfähige, aber dennoch minimalistische Satellitenstation.

Verwendetes Setup
Antenne: Dualband-Yagi 2 m / 70 cm (handgeführt)
Funkgerät: Baofeng DM-1701
Firmware: OpenGD77 mit aktiviertem SAT-Modus
Der Satellitenmodus von OpenGD77 erlaubt:
- Halbduplex (entweder senden oder empfangen)
- vorprogrammierte Uplink- und Downlink-Frequenzen
- automatische Doppler-Korrektur
- Berechnung des Satellitenüberflugs
- grafische Anzeige der aktuellen Satellitenposition (Richtung und Elevation)
- Audiosignal zur Ankündigung der Sichtbarkeit des Satelliten
Damit eignet sich das Gerät hervorragend für FM-Satelliten im Low Earth Orbit.
Grundlagen LEO-Satelliten
LEO-Satelliten (Low Earth Orbit) kreisen in etwa 500–800 km Höhe um die Erde. Ein Umlauf dauert rund 90 Minuten.
Ein einzelner Überflug ist vom eigenen Standort aus typischerweise 5 bis 12 Minuten lang nutzbar.
Geeignete FM-Satelliten sind beispielsweise:
Die meisten dieser Satelliten nutzen FM-Transponder mit Frequenzen im 2 m und 70 cm Band für Uplink und Downlink, somit reicht eine kostengünstiges Dualband-Handfunkgerät aus. Von der AMSAT gibt es eine Liste, aus der tagesaktuell der Status der Amateurfunk-Satelliten ersichtlich ist. Dort gibt es zu jedem Satelliten auch eine ausführliche Beschreibung mit technischen Daten.
Polarisation und Handnachführung
Die leichte Yagi lässt sich während des gesamten Überflugs problemlos von Hand nachführen. Eine Rotoranlage ist nicht erforderlich.
Wichtige Punkte:
- Die Polarisation ändert sich während des Orbits durch Rotation des Satelliten.
- Bei Verwendung einer linear polarisierten Antenne muss diese laufend nachgedreht werden um ein optimales Signal zu erhalten.
- Besonders bei niedrigen Elevationswinkeln lohnt sich sorgfältiges Ausrichten.
Durch das geringe Gewicht der Antenne gelingt die kontinuierliche Nachführung ohne Ermüdung.
Wenn das Funkgerät an der Antenne montiert ist, bleibt die andere Hand frei.

Doppler-Kompensation
Der Doppler-Effekt verschiebt die Frequenz während des Passes um mehrere kHz. Auf 70 cm ist der Effekt so stark, dass eine Nachführung zwingend notwendig ist.
Grundsätzlich reicht bei FM-Satelliten eine schrittweise manuelle Korrektur vollkommen aus. Dazu legt man mehrere Frequenzpaare im Speicher vom Funkgerät ab und ruft sie nacheinander ab. Jedoch bietet der SAT-Modus von OpenGD77 eine komfortable automatische Doppler-Korrektur der Frequenz in kleinen Schritten. Man braucht sich somit nicht selbst darum kümmern und kann sich voll auf den Funkbetrieb konzentrieren.
Typische Werte:
- 2 m: wenige kHz Abweichung
- 70 cm: bis zu ±10 kHz
Praxiserfahrungen
- Plane kurze Übungs-Überflüge, um die Handführung zu trainieren.
- Nutze ein Smartphone mit Satelliten-Tracker App zur Planung
- Nutze ein Smartphone mit Audio-Recorder App zur Aufnahme der empfangenen und gesendeten Informationen
- Logge die Funkverbindungen später in Ruhe
- Manche Satelliten benötigen einen CTCSS Ton zur Aktivierung – vorher auf der AMSAT Seite informieren
Mit der beschriebenen Kombination lassen sich stabile FM-QSOs realisieren. Der Gewinn der Dualband-Yagi in Verbindung mit 3 bis 4 Watt Sendeleistung bietet ausreichend Reserve, auch bei niedrigen Elevationswinkeln. Wichtig ist lediglich freie Sicht zum Satelliten.
Häufig herrscht sehr viel Betrieb auf den Satelliten. Funkdisziplin ist unbedingt erforderlich. Kurze Sendedurchgänge mit Rufzeichen, Rapport und Standort (Locator) erlauben möglichst vielen Stationen einen Kontakt.
Die Sendeleistung muss entsprechend angepasst werden.
Vorteile des minimalistischen Setups:
- kein Mast
- kein Rotor
- kein Diplexer
- geringes Packmaß
- schneller Aufbau
Fazit
Die Kombination aus moderner Funktechnik und Outdoor-Aktivität zeigt eindrucksvoll, wie unkompliziert Satellitenfunk sein kann. Mit einer leichten Hand-Yagi, einem Handfunkgerät wie dem Baofeng DM-1701 und der freien Firmware OpenGD77 entsteht eine leistungsfähige, portable Satellitenstation für vergleichsweise wenig Geld. Meine Ausrüstung hat tatsächlich nur 50 Euro gekostet, insbesondere weil ich die Antenne selbst aus preisgünstigem Material gebaut habe und ich das Funkgerät in einer Rabattaktion direkt aus China kaufen konnte.
Gerade für die neue Einsteiger-Lizenzklasse eröffnet dieses Setup einen direkten und motivierenden Zugang zum Amateurfunk über Satellit. Ohne hohe Investitionen, ohne komplexe Mechanik – dafür mit viel Praxisbezug, Bewegung an der frischen Luft und echtem „Space-Feeling“.
Ob Fieldday, SOTA-Einsatz oder einfach ein sonniger Nachmittag im Garten – Technik erleben, draußen aktiv sein und dabei Signale aus dem Orbit empfangen – diese Mischung macht den besonderen Reiz des minimalistischen Satellitenfunks aus.
