Grundlagen für Funkamateure und Elektroniker

Wer sich mit Oszillatoren, Frequenznormalen, GPSDOs oder der Frequenzstabilität von Transceivern beschäftigt, stößt schnell auf Fragen zur Genauigkeit und Frequenzstabilität.
Begriffe wie ppm, ppb oder Allan-Deviation werden dabei häufig verwendet, beschreiben jedoch unterschiedliche physikalische Eigenschaften.
Frequenz und Zeit – zwei Sichten auf dieselbe Größe
Die Frequenz f eines periodischen Vorgangs beschreibt, wie oft sich ein Ereignis pro Zeiteinheit wiederholt.
- 1 Hz bedeutet: ein Ereignis pro Sekunde
- 10 MHz bedeutet: 10.000.000 Perioden pro Sekunde
Jede periodische Schwingung besitzt eine Periodendauer T, also die Zeit für einen vollständigen Schwingungs-Zyklus.
Zusammenhang
Beispiele:
10 MHz → T = 100 ns
1 Hz → T = 1 s
1 MHz → T = 1 µs
Frequenz als Grundlage der Zeitdefinition
Die Sekunde ist die SI-Basiseinheit der Zeit.
Sie ist heute direkt über eine Atomfrequenz definiert:
9.192.631.770 Perioden der Caesium-133-Strahlung für einen bestimmten Atomübergang entsprechen genau 1 Sekunde.
Damit ist die Zeiteinheit direkt aus einer Frequenz abgeleitet.
PTB / Atomuhren
Die PTB (Physikalisch-Technische Bundesanstalt) betreibt mehrere Cäsium-Atomuhren und weitere Atomfrequenznormale, aus denen die nationale Zeitskala gebildet wird. Die daraus erzeugte Zeitskala weicht nur um etwa eine Sekunde in rund 130 Millionen Jahren ab. Diese Zeit ist durch Kooperationen mit anderen nationalen Instituten an die koordinierte Weltzeit (UTC) gekoppelt.

Auch im Hobbylabor haben Frequenznormale inzwischen einen festen Platz. Sie dienen als lokale Referenzquelle für Messgeräte und Transceiver. Sogenannte disziplinierte Oszillatoren sind meist über einen GPS-Empfänger an hochpräzise Atomuhren angebunden und erreichen dadurch eine sehr hohe Langzeitstabilität.
Für die Kurzzeitstabilität sorgt dabei in der Regel ein OCXO, der mit einer sehr großen Zeitkonstante durch die Referenz nachgeregelt wird.
Frequenzmessung als Zählen gegen Zeit
Ein einfacher Frequenzzähler vergleicht ein Signal mit einer präzisen Zeitbasis.
Während eines festen Zeitfensters (Gate Time) werden Signalperioden gezählt.
Die Messgenauigkeit hängt somit direkt von der Genauigkeit der Zeitbasis im Messgerät ab.
Beispiel:
- Gate Time: 1 s
- Zählwert: 10.000.000
- Ergebnis: 10 MHz
Absolute und relative Frequenzabweichung
Kein realer Oszillator schwingt exakt auf seiner Sollfrequenz.
Ein nomineller 10-MHz-Oszillator könnte beispielsweise tatsächlich auf 10.000.001 Hz arbeiten.
Die absolute Abweichung beträgt dann Δf = 1 Hz.
Diese Angabe allein ist jedoch wenig aussagekräftig.
Interessanter ist die relative Abweichung:
Im Beispiel:Multipliziert mit 100 ergibt sich: 0,00001%
Diese Schreibweise wird bei kleinen Abweichungen jedoch schnell unübersichtlich.
Zur kompakten Beschreibung sehr kleiner relativer Abweichungen werden daher oft die folgenden dimensionslosen Größen verwendet.
ppm – parts per million
ppm bedeutet 10⁻⁶ also ein Millionstel der Nennfrequenz
1 ppm von 10 MHz = 10 Hz Abweichung vom Sollwert
ppb – parts per billion
Bei hochstabilen Oszillatoren reichen ppm oft nicht mehr aus, dann werden ppb verwendet.
ppb = 10⁻⁹
1000 ppb = 1 ppm
Beispiel bei 10 GHz:
- 1 ppm → 10 kHz
- 1 ppb → 10 Hz
ppt – parts per trillion
ppt = 10⁻¹²
🇩🇪 Deutsch (lange Skala):
- Million = 10⁶
- Milliarde = 10⁹
- Billion = 10¹²
- Billiarde = 10¹⁵
- Trillion = 10¹⁸
🇬🇧 Englisch (short scale, international):
- million = 10⁶
- billion = 10⁹
- trillion = 10¹²

Die dimensionslose Größe ppm (parts per million) beschreibt die relative Frequenzabweichung bezogen auf die Nennfrequenz.
Die folgende Grafik veranschaulicht, wie sich eine Frequenzabweichung von 1 ppm bei unterschiedlichen Nennfrequenzen in einer absoluten Abweichung (Hz) bemerkbar macht.
Dieselbe relative Abweichung (1 ppm) führt mit steigender Nennfrequenz zu immer größeren absoluten Frequenzfehlern. Was bei 1 MHz noch unkritisch erscheint, kann bei 10 GHz bereits problematisch sein.
Genauigkeit – Stabilität – Allan Deviation
Genauigkeit (Accuracy)
Gibt die Abweichung vom Sollwert an.
Beispiel:
Soll 10 MHz
Ist 10.000.005 Hz
Fehler 5 Hz → 0,5 ppm
Stabilität (Stability)
Die Stabilität beschreibt, wie konstant eine Frequenz über die Zeit bleibt.
Dabei unterscheidet man verschiedene Arten von Frequenzänderungen.
Konstanter Frequenzversatz (Offset)
Ein Oszillator kann dauerhaft etwas neben seiner Sollfrequenz schwingen.
Beispiel:
- Soll: 10.000.000 Hz
- Ist: 10.000.100 Hz
Der Fehler beträgt konstant +100 Hz, oder +10 ppm.
Obwohl der Oszillator nicht exakt auf der Sollfrequenz arbeitet, ist er sehr stabil.
Ein solcher konstanter Fehler lässt sich meist einfach durch Kalibrierung oder Korrektur ausgleichen.
Phasenrauschen (Phase Noise)
Phasenrauschen beschreibt sehr kleine, schnelle und zufällige Phasenschwankungen eines Oszillators. Sie äußern sich als ein „Rauschen“ neben der eigentlichen Trägerfrequenz.
Je geringer das Phasenrauschen, desto „sauberer“ ist das Signal.
Im Amateurfunk wirkt sich ein geringes Phasenrauschen beispielsweise aus durch:
- bessere Trennung benachbarter Signale,
- geringeren reziproken Mischeffekt (Reciprocal Mixing),
- bessere Empfangseigenschaften bei starken Nachbarsignalen,
- sauberere Modulations- und Messsignale.
Phasenrauschen wird üblicherweise als Leistungsdichte in dBc/Hz angegeben. Dies ist die spektrale Rauschleistungsdichte bezogen auf die Trägerleistung bei einem bestimmten Frequenzabstand.
Beispiel: −140 dBc/Hz bei 10 kHz Frequenzabstand bedeutet, dass die Rauschleistungsdichte in 1Hz Messbandbreite, 10 kHz neben dem Träger um 140 dB unter der Trägerleistung liegt.
Kurzzeitstabilität
Die Kurzzeitstabilität beschreibt, wie stark die Frequenz über Zeiträume von Millisekunden bis zu einigen Sekunden schwankt.
Ursachen sind beispielsweise:
- elektronisches Rauschen
- Versorgungsspannung
- mechanische Erschütterungen
- Temperaturrauschen
Je geringer die kurzfristigen Phasen- und Frequenzschwankungen sind, desto geringer fällt in der Regel auch das Phasenrauschen aus.
Dadurch ist die Signalenergie stärker auf die Trägerfrequenz konzentriert, und die spektrale Linienbreite wird kleiner.
Das verbessert die Nachbarkanalselektion und reduziert gegenseitige Beeinflussung starker Signale im Empfänger (Reciprocal Mixing).
- Kurzzeitstabilität und Phasenrauschen sind eng miteinander verwandt. Zwischen beiden Größen besteht ein mathematischer Zusammenhang über spektrale Leistungsdichten, sodass sie unter geeigneten Annahmen ineinander umgerechnet werden können.
- Das Phasenrauschen beschreibt das Verhalten im Frequenzbereich, während die Kurzzeitstabilität dasselbe Phänomen im Zeitbereich charakterisiert.
- Die Allan-Deviation wird häufig verwendet, um die Kurz- und Langzeitstabilität eines Oszillators quantitativ zu bewerten.
Langzeitstabilität
Die Langzeitstabilität beschreibt Veränderungen über Stunden, Tage, Monate oder Jahre.
Typische Ursachen sind:
- Temperaturänderungen
- Alterung von Bauelementen
- Änderungen der Versorgung
- Umwelteinflüsse
Ein hochwertiger Oszillator verändert seine Frequenz langfristig nur sehr wenig.
Drift
Unter Drift versteht man die langsame, kontinuierliche Änderung der Frequenz im Laufe der Zeit.
Typische Beispiele:
- Erwärmung eines Quarzes nach dem Einschalten
- langsame Temperaturänderungen
Im Gegensatz zu zufälligen Schwankungen besitzt Drift meist eine erkennbare Richtung und entwickelt sich langsam.
Allan-Deviation
Die Allan-Varianz bzw. Allan-Deviation beschreibt die zeitabhängige Frequenzstabilität eines Oszillators über verschiedene Mittelungszeiten.
Sie ist das Standardwerkzeug zur Bewertung hochstabiler Frequenzquellen (OCXO, Rubidium, GPSDO). In der grafischen Darstellung der Allan Deviation lässt sich das Stabilitätsverhalten verschiedener Oszillatoren sehr anschaulich vergleichen. Insbesondere Unterschiede in der Kurz- bzw. Langzeitstabilität können unabhängig voneinander betrachtet werden.

Die Grafik veranschaulicht die wichtigsten Kenngrößen eines Oszillators.
Die Abweichung des Mittelwerts von der Sollfrequenz beschreibt die Richtigkeit, die Streuung der Messwerte um den Mittelwert die Präzision bzw. Kurzzeitstabilität. Eine langsame Änderung des Mittelwerts über die Zeit wird als Langzeitdrift bezeichnet.
Zusammenfassung
Ein Oszillator kann also sehr präzise sein, obwohl er einen konstanten Frequenzversatz besitzt. Umgekehrt kann ein exakt abgeglichener Oszillator aufgrund schlechter Kurz- oder Langzeitstabilität dennoch ungeeignet für präzise Frequenzmessungen sein.
